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Revue de Presse
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Frankfurter Allgemeine Zeitung (All.)


Zeitgenössische Galerie im Netz

ArtFloor für Bobos



Das Geschäft mit der Kunst im Internet war bislang wenig erfolgreich. Gerade hat Sotheby's die Verbindung mit e-bay gelöst, die Domäne des Onlineversteigerers nart.com steht zum Verkauf, und der einstige Pionier artnet.com beschrränkt sich auf die Vermittlung an ein Netzwerk einschlägiger Galerien.
Was bleibt, sind Websites, die dekorative Malerei in epigonalen, von Impressionismus bis Informel durchdeklinierten Stilen anbieten. Da mag des Ehrgeiz der jungen französischen Internetfirma ArtFloor.com, zwischen "Künstlern, die keine Arbeiten verkaufen, und Leuten, die keine zeitgenössische Kunst kaufen" den Kontakt herzustellen, vermessen klingen. Dochscheint mat mit diesem doppelt verneinenden Grundsatz eine Nische gefunden zu haben: Dank des Konzepts einer "virtuellen Galerie", das sich nicht in erster Linie an gestandene Sammler richtet, sondern vor allem an jene, die "noch nicht die Erfahrung eines Originalkunstwerks in den eigenen Wänden" gemacht haben, vermittelte ArtFloor über das Netz in anderthalb Jahren mehr als hundertfünfzig Kunstwerke, davonein Drittel in die Vereinigten Staaten und nach Deutschland, bei einem Umsatz von rund 150 000 Euro. Die Finanzen der Firma sind im Gleichgewicht; zukünftiges Wachstum erhofft man sich von der Ausdehnung dieser Art Kunstvermittlung auf andere Länder. Die Betriebskosten sind niedrig; denn ArtFloor hat keine Schauoder Lagerräume.

Die Einnahmen stammen einzig aus der auf Verkäufe erhobenen Kommission von 35 Prozent.

Mit geringen Investitionen und dem unspektakulären Prinzip, von etwa vierzig in Frankreich lebenden jungen und unbekannten Künstler je zehn bis fünfzehn Arbeiten online anzubieten, hat die im Oktober 2000 von dem Jungmanager Georges Ranunkel und dem Kunsthistoriker Geoffroy de Francony gegründete Firma sich gegen den sog der kollabierenden New Economy behaupten können.
Die Künstler werden sorgfältig ausgesucht; die Internetseite präsentiert ihre Werke minimalistisch auf weiBem Untergrund.
Per Zoom lassen sich Details untersuchen, ein weiterer Klicl ermöglicht die Betrachtung "in situ" über kargem Designermobiliar.

Der Durchschnittskunde, weiB man bei ArtFloor, ist männlich, zwischen dreiBig und vierzig Jahre alt, als leitender Angestellter oder freiberuflich tätig und macht seine Streifzüge durch die virtuelle Galerie meistens zu Bürozeiten. Er ist kein habitueller Galeriebesucher une tätigt seinen ersten Kunstkauf über das Internet.

Zu Preisen von 500 bis 600 Euro ersetz das Originalwerk - ArtFloor bietet hauptsächlich Gemälde, Zeichnungen und Fotografien an - im Büro vorteilhaft die obligate gerahmte Litho und sichert dem Kaüfer auch zu Hause einen Mehrwert an moderner Lebensart. Die zeitgenössische Kunst, deren Stars Höchstpreise erzielen, könnte so in den unteren Preisregionen zum Standardkonsumergut der von David Brooks beschriebenen " Bobos", der bourgeoisen Bohemiens, werden. Für schon Eingeweihte het ArtFloor den "Second Floor" mit Arbeiten, die stärker zum Konzeptuellen neigen, eingerichtet.
Auch Galeristen stöbern bei ArtFloor, und ein halbes Dutzend Künstler kam auf diese Weise zu seiner ersten Galerieausstellung. "Wir bereiten den Galerien die Kundschaft vor", sagt Georges Ranunkel. Um Kunden- und Künstlernachwuchs braucht er sich nicht zu sorgen. Künstler, die ihre Werke nicht verkaufen können, und Leute, die - noch- keine Kunst kaufen, gibt es immer.

Angelika Heinick. 3. Mai 2003